Forschen • Ausbilden • Vernetzen
Für eine nachhaltige Bioökonomie

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Für eine nachhaltige Bioökonomie
 Öffentliche Ringvorlesung im Sommersemester 2024

Meet the Circular Economy - Nachhaltige Innovation in der Praxis

Geleitet von Jun.-Prof. Dr. Sandra Venghaus (Juniorprofessur für Entscheidungsanalyse und sozio-ökonomische Bewertung, RWTH Aachen) in Kooperation mit Prof. Dr. Ulrich Schurr (IBG-2, Forschungszentrum Jülich)
Unterstützt von: Bioeconomy Science Center (BioSC) | Koordinierungsstelle BioökonomieREVIER Rheinland | RWTH Center for Circular Economy (CCE)

Angesichts der ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten ist der Verbrauch natürlicher Ressourcen insbesondere in den Industrieländern noch immer zu hoch. Eines der globalen Nachhaltigkeitsziele ist es daher, einen Wandel hin zu nachhaltigen Produktions- und Konsummustern zu schaffen. Die Kreislaufwirtschaft bietet eine große Chance, dieses Ziel zu erreichen. Ihre innovativen Ansätze werden bereits jetzt in Unternehmen umgesetzt.

In der öffentlichen Ringvorlesung "Meet the Circular Economy", die bereits zum dritten Mal stattfindet, wird aus aus erster Hand über die Chancen und Herausforderungen bei der Entwicklung und Umsetzung kreislauforientierter und biobasierter Prozesse informiert. Neben Studierenden und Universitätsangehörigen aus allen Fakultäten sind auch interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, zusammen mit Unternehmen und Firmen über innovative Nachhaltigkeitskonzepte der Kreislaufwirtschaft in der Unternehmens- und Produktentwicklung zu diskutieren.

Bei der diesjährigen Auftaktveranstaltung am 15. April ging es um Kreislaufwirtschaft in der chemischen Industrie. Dr. Wulf Klöckner präsentierte die Nachhaltigkeitsstrategie der Firma Covestro mit den Kernelementen erneuerbare Energie, Recycling und alternative Rohstoffe und benannte die Zusammenarbeit mit der akademischen Forschung als einen Schlüssel zum Erfolg. Dr. Lisa Weigand von der Mitsubishi Chemical Group ging zunächst allgemeiner auf die Rolle der chemischen Industrie in der Kreislaufwirtschaft ein, bevor sie die Ansätze und Schwerpunkte ihrer Firma vorstellte. Ein wichtiges Thema in beiden Vorträgen waren die Schwierigkeit, Verbundmaterialien zu rezyklieren und die damit verbundene Notwendigkeit, Produkte von vornherein so zu konzipieren, dass ein Recycling der einzelnen Komponenten mit eingeplant und ermöglicht wird.

Im zweiten Termin am 29. April stand die Kreislaufwirtschaft als neues Geschäftsmodell im Fokus. Frau Lauk und Herr Köhne präsentierten die Nachhaltigkeitsstrategien der Firmen Henkel und Schüco. Da Verpackungen aus recyceltem Material oft weniger ansprechende Formen und Farben aufweisen und daher weniger attraktiv für Verbraucher sind, hat Henkel den so genannten Sleeve entwickelt, eine dünne Folie, die ansprechend bedruckt und um eine zu recycelnde Verpackung gewickelt werden kann. Früher konnten die Sortieranlagen den Sleeve nicht abtrennen, doch durch Änderungen der Zusammensetzung und nach Kooperationen von Henkel mit den Sortieranlagen-Betreibern ist dies nun möglich. Herr Köhne erläuterte, wie Schüco durch effizienteres Design, Recycling und die Verwendung nachhaltigerer Materialien sowie Serviceleistungen die Emissionen bis 2040 auf Netto-Null reduzieren will. Besonders interessant war dabei die Idee eines QR-Codes auf jedem neuen Fensterrahmen, der im Internet der Frames (IoF) auf alle für den Service und das Recycling wichtigen Daten verweist.

Im dritten Termin am 13. Mai stellten Dr. Salvatore Lachina von BIOWEG sowie Marcel Kunz und Dr. Jannik Fleiter von Triple Solar die beiden StartUp-Firmen vor. BIOWEG stellt aus mikrobiell erzeugter Cellulose Mikroplastik-Alternativen vor allem für die Kosmetikindustrie sowie Samen-Coatings für den agrarischen Anbau her. Ausgangsmaterial sind hier Abfallströme aus der Nahrungsmittelindustrie. Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, werden lokale Substratquellen, Skalierungsprozesse sowie der CO2-Fußabdruck berücksichtigt. Triple Solar stellt PVT her, eine völlig neuartige Kombination aus Photovoltaik und Wärmetauscher im selben Modul, welche vollständig in Europa gefertigt werden. Alle drei machten deutlich, wie relevant politische Entscheidungen für den Erfolg- und Misserfolg gerade von jungen und kleinen Firmen in der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft sind. Verbote, Förderungen und Gesetze haben hier große positive wie negative Effekte auf technische Entwicklungen, Finanzierungen und Umsetzungen.

 

Veranstaltungsübersicht

Sommersemester 2024 | montags | 16:00 - 19:00 Uhr
Hörsaal TEMP 1 | Temporäres Hörsaalgebäude am Republikplatz 6 (Nähe C.A.R.L.), 52072 Aachen

Der Eintritt ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Im Anschluss an die Vorlesungen besteht jeweils die Möglichkeit zum zwanglosen Austausch.

15. April
Kreislaufwirtschaft in der Chemieindustrie
Wolf Klöckner, Covestro
Lisa Weigand, Mitsubishi Chemical Group

29. April
Kreislaufwirtschaft als neues Geschäftsmodell
Lilith Lauk, Henkel
Alicia Conen, Schüco

13. Mai
Unternehmensgründungen in der Kreislaufwirtschaft
Salvatore Lachina, Bioweg
Marcel Kunz / Jannik Fleiter,  Triple Solar

27. Mai
Nachhaltigkeit im Bauwesen
N.N., Gablok
N.N., Moringa

03. Juni
Soziale Innovationen in der Kreislaufwirtschaft
Lina Helgers, Circular Food Chains, Stadt Aachen
N.N., RecyCoal

17. Juni
Nachhaltigkeit in der Mobilität
Lennart Nübel, Remondis
Klaus Ruhland, Mercedes

01. Juli
Politik und Kapital für die Kreislaufwirtschaft
N.N., Euregio Maas-Rhein / Region Aachen



Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Sandra Venghaus | +49 24180 90963 | venghaus[at]socecon.rwth-aachen.de

Mehr Informationen zum Lehrmodul:
www.socecon.rwth-aachen.de/lehre/meet-the-circular-economy/

 

Fotos: Forschungszentrum Jülich