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Newsletter | Dezember 2018 | Download PDF

„BioSC im Dialog“ beim Bürgerforum RWTHextern: „Vertical Farming – Ein Konzept mit Zukunft?“

Am 30. Juni 2017 fand in Aachen eine gemeinsame Veranstaltung von „BioSC im Dialog“ und „RWTHextern“ statt. Prof. Dr. Georg Noga, Professor für Gartenbauwissenschaft an der Universität Bonn, sprach über Vertical Farming, einen innovativen Ansatz für die Nahrungsmittelproduktion in städtischen Ballungsräumen. Der Vortrag stieß auf breites Interesse und endete mit einer lebhaften Diskussion.

Fotos: Georg Noga, Universität Bonn (1,4), Corinna Sinken, RWTHextern (2,3)

 

2050 werden geschätzt 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben, ein Großteil davon in städtischen Ballungsräumen. Für eine ausreichende und gesunde Nahrungsmittelversorgung würde eine zusätzliche landwirtschaftliche Nutzfläche von 10 Milliarden Hektar benötigt, die aber nur durch den Eingriff in bislang unberührte Ökosysteme bereitgestellt werden könnte.

Ein Ansatz, um die Bevölkerung in den weltweit rasant wachsenden städtischen Ballungsräumen zu versorgen, ist das Vertical Farming: die Produktion von Lebensmitteln in und an mehrstöckigen Gebäuden. Beim Anbau von Nahrungspflanzen kommen hier hydroponische Verfahren zum Einsatz: die Pflanzen werden ohne Erde in einer Nährlösung angezogen und die Wurzeln teilweise mit Sand, Kies, Kokosfasern o.ä. stabilisiert. Die Nährlösungen können recycelt werden, wodurch eine Wasserersparnis von bis zu 90% erreicht werden kann. Der Flächenbedarf kann gegenüber dem konventionellen Anbau um den Faktor 1000 reduziert werden. Durch die Erhöhung der CO2-Konzentration gegenüber der Außenluft mit CO2 aus der Heizungsanlage können die Erträge um bis zu 60% und der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen um bis zu 35% gesteigert werden. Außerdem sind die Pflanzen innerhalb geschlossener Gebäude vor Trockenheit, Frost oder Hagel geschützt, was den Gartenbau an praktisch jedem Standort ermöglicht, und Schädlinge und Krankheiten sind leichter zu kontrollieren.

Prof. Noga stellte verschiedene Pilotanlagen vor, bei denen die Pflanzenproduktion mit der Tierproduktion, etwa der Kultivierung von Fischen, kombiniert wird oder in die ein Supermarkt integriert ist. Er rechnete vor, dass der Bedarf an Frischgemüse einer Stadt wie Bonn durch eine Vertical Farming-Anlage von der Größe eines durchschnittlichen Parkhauses gedeckt werden könnte.

Allerdings ist diese Art des Pflanzenanbaus hauptsächlich für Gemüse und Gewürze geeignet, im Zuge der züchterischen Verkleinerung von Obstgehölzen zukünftig vielleicht auch für Obst. Kartoffeln, Getreide, Reis und Mais wird man aber auch in Zukunft im Freien anbauen müssen.

Ein Nachteil ist die notwendige Zusatzbeleuchtung mit LED-Leuchten, die viel Energie benötigt und derzeit noch für zu hohe Kosten und Erzeugerpreise sorgt. Die LED-Hersteller arbeiten intensiv an der Verbesserung der Energieeffizienz. Trotz der Nachteile wird Vertical Farming bereits praktiziert, etwa in Südkorea, wo eine dichte Besiedlung und eine hohe Luftverschmutzung es erforderlich machen. Prof. Noga wies darauf hin, dass Vertical Farming ein erhebliches Forschungs- und Innovationspotenzial birgt.

Von den rund 50 Zuhörern kamen zahlreiche Fragen und Anmerkungen. So wurde infrage gestellt, ob Vertical Farming angesichts der Grundstücks- und Immobilienpreise in städtischen Ballungsräumen rentabel sein kann. Andere Beiträge bezogen sich auf die Einschränkung des Sortenrepertoires und den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen. Die Veranstaltung endete nach einer lebhaften gut halbstündigen Diskussion.

 

 

 

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