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Für eine nachhaltige Bioökonomie

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Newsletter | März 2021 | Download PDF

 

5. BioSC Symposium: Rückblick und Ausblick nach zehn Jahren BioSC

Das 5. BioSC-Symposium am 5. März 2021 verband einen Rückblick auf zehn Jahre Bioökonomieforschung seit der Gründung des BioSC mit dem Blick auf zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen. Neben Wissenschaftlern aus dem BioSC trugen hochrangige Gäste aus Akademia, Industrie und Ministerien auf Bundes- und Landesebene zu der Veranstaltung bei. Mit rund 170 Teilnehmern war die virtuelle Veranstaltung gut besucht.

Das Symposium wurde eröffnet von Christine Lang, stellvertretende Vorsitzende des International Advisory Council for Global Bioeconomy und ehemalige Ko-Vorsitzende des deutschen Bioökonomierats. Sie stellte die wachsende Bedeutung der Bioökonomie im globalen Kontext dar. 49 Länder hätten bereits Bioökonomie-bezogene Politikstrategien, 16 davon dezidierte Bioökonomie-Strategien. In den USA betrage das Volumen der Bioökonomie schon heute eine Billion Dollar und damit 7,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Bioökonomie unterstütze soziale und technologische Innovationen, die zu einem nachhaltigen Lebensstil beitragen können. Sie weiter auszubauen, erfordere eine langfristige politische Perspektive, die auch Veränderungen etwa bei bestehenden wirtschaftlichen Strukturen und rechtlichen Rahmenbedingungen umfassen müsse.

Foto: Forschungszentrum Jülich

Von der Wissenschaft zur Anwendung

Ulrich Schurr, Sprecher des Geschäftsführenden Direktoriums des BioSC, gab einen kurzen Überblick über die zehnjährige Geschichte des BioSC, bevor Mitglieder des BioSC und externe Gäste konkrete Innovationen vorstellten.

Zu Beginn stand das Thema nachhaltige Pflanzenproduktion im Fokus. Felix Jakob und Sylvia Schleker präsentierten Ergebnisse zu neuen Technologien und Wirkstoffen für den Pflanzenschutz aus den BioSC FocusLabs greenRelease und CombiCom. Anne-Kathrin-Mahlein, Universität Göttingen, stellte Methoden zum digitalen Monitoring von Pflanzenkrankheiten und Unkrautbefall im Feld vor, die einen maßgeschneiderten und ressourceneffizienten Pflanzenschutz ermöglichen.

Innovative Bioraffineriekonzepte waren der nächste thematische Schwerpunkt. Holger Klose und Nina Ihling stellten Entwicklungen zur Prozessierung von alternativer Biomasse und landwirtschaftlichen Restströmen aus den BioSC FocusLabs AP3 und Bio2 vor. Thomas Voessing, Covestro AG, präsentierte einen Prozess zur biobasierten Herstellung von Intermediaten für Polyurethane.

Anita Loeschcke und Stephan Noack stellten das erfolgreiche Engineering von Plattformorganismen zur Herstellung von pharmazeutischen und agronomischen Wirkstoffen in den BioSC FocusLabs CombiCom und HyImPAct vor. Anschließend formulierte Thomas Müller-Kirschbaum, ehemals Henkel AG & Co. KGaA, die Erwartungen der Industrie an die Bioökonomie, und adressierte dabei Themen wie Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Offenheit gegenüber neuen Technologien.

Foto: Forschungszentrum Jülich

Bioökonomie und Gesellschaft

Die folgenden Vorträge widmeten sich den Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, die mit der Etablierung einer Bioökonomie notwendigerweise einhergehen. Ulrich Schurr stellte das Projekt BioökonomieREVIER vor, das darauf abzielt, die Etablierung einer Modellregion für nachhaltiges biobasiertes Wirtschaften als Chance für das Rheinische Braunkohlerevier nach dem Kohleausstieg zu nutzen. Das BioSC FocusLab Transform2Bio, das von Sandra Venghaus präsentiert wurde, untersucht an diesem konkreten Beispiel, wie gesellschaftliche Transformationsprozesse ablaufen und wie sie so gestaltet werden können, dass die Interessen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen berücksichtigt werden.

Uwe Fritsche vom Internationalen Institut für Nachhaltigkeitsanalysen und-strategien entwarf die Perspektive einer zukünftigen BioWEConomy, in der Partizipation und Gemeinwohl, Ökologie und fairer Handel eine wichtige Rolle spielen. Schließlich lenkte Karen Siegel, Universität Münster, den Blick auf den globalen Kontext, und stellte das Projekt SABIO vor, das die Möglichkeiten zur Entwicklung nachhaltiger Bioökonomien in Südamerika untersucht.

Foto: Forschungszentrum Jülich

Entwicklungen und Perspektiven

In der abschließenden Podiumsdiskussion betonten Thorsten Menne, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, und Andrea Noske, Bundesministerium für Bildung und Forschung, die essentielle Notwendigkeit eines systemischen und interdisziplinären Denkens und Handelns sowie einer Vernetzung aller Akteure aus Wissenschaft, Industrie, Gesellschaft und die Bedeutung von Forschung für einen erfolgreichen Transformationsprozess. Professor Wolfgang Marquardt, Forschungszentrum Jülich, hob den Bedarf geeigneter Förderstrukturen für systemische und komplexe Fragestellungen wie in der Bioökonomieforschung hervor. Der Strukturwandel in der Region eigne sich als ideales Reallabor für eine exemplarische Umsetzung mit Wirtschaft und Gesellschaft. Professor Thomas Müller-Kirschbaum, ehemals Henkel AG & Co. KGaA, betonte, dass nur nachhaltige Innovationen wettbewerbsfähig sein könnten. Für die Zukunft wünsche er sich insbesondere einen noch stärkeren Austausch zwischen Industrie und Wissenschaft. Das BioSC und seine Partner böten hier eine etablierte, ideale Kooperationsbasis. Uwe Fritsche vom Internationalen Institut für Nachhaltigkeitsanalysen und-strategien wies darauf hin, dass die Bioökonomie die Möglichkeit und Verpflichtung habe, zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele beizutragen. Die Post-COVID-Zeit böte eine große Chance, den erforderlichen Umbau zu einer nachhaltigeren Wirtschaft und Gesellschaft zu erzielen.

Am Ende der Veranstaltung wurde zum sechsten Mal der mit 25.000 € dotierte BioSC Supervision Award verliehen, dieses Jahr erstmals als Christian-Patermann-Preis. Der Preisträger ist Dr. Michael Wustmans vom Lehrstuhl für Technologie-, Innovationsmanagement und Entrepreneurship, Universität Bonn.

 

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