Bioeconomy Science Center
Forschung und Kooperation für nachhaltige BioÖkonomie

Bioeconomy Science Center
Forschung und Kooperation für nachhaltige BioÖkonomie
10.07.2019

6. BioSC Spotlight: “Bioökonomie-Perspektiven für eine nachhaltige Landwirtschaft”

Prof. Dr. Ulrich Schurr (Forschungszentrum Jülich) machte in seiner Einführung deutlich, dass die Lösungen für die globalen Herausforderungen – Bevölkerungswachstum, steigender Konsum und das Ersetzen fossiler durch nachwachsende Rohstoffe - regional erarbeitet werden müssen, da jede Region über andere Naturräume, Akteure und Ressourcen verfügt. Das Rheinische Revier hat im Zuge des durch den Kohleausstieg verursachten, ein Real-Labor für Bioökonomie als Teil einer nachhaltigen Wirtschaft zu werden. Stärken der Region sind die Landwirtschaft, die von guten Böden und Klimabedingungen profitiert, eine starke Industrie und eine hohe Dichte an Bildungs- und Forschungseinrichtungen, u.a. mit drei wissenschaftlichen Exzellenzclustern und dem BioSC.

In der ersten Session „Neue integrierte landwirtschaftliche Produktionssysteme“ stellte Prof. Dr. Heiner Kuhlmann (Universität Bonn) das Exzellenzcluster PhenoRob vor, das digitale Technologien zur Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen entwickelt. Dabei geht es u.a. um die Detektion von Pflanzenmerkmalen oder die Untersuchung des Wurzelbereichs, aber auch um die Entwicklung autonomer Feldroboter beispielsweise für die Aussaat oder Unkrautkontrolle. Anschließend referierte Erich Gussen (Landwirt und Vorsitzender des Rheinischen Landwirtschaftsverbands) über die Möglichkeiten der modernen Pflanzenzüchtung, Nutzpflanzen an sich ändernde klimatische Bedingungen anzupassen, und stellte die Vision eines rheinischen „Food Valley“ auf der Grundlage von Wissenschaft und Landwirtschaft vor. Prof. Ulrich Schwaneberg (RWTH Aachen/DWI) stellte die greenRelease-Technologie vor, die es ermöglicht, mit biologisch abbaubaren Mikrogel-Containern, die mit Hilfe von Ankerpeptiden auf der Pflanzenoberfläche haften, Dünger und Pflanzenschutzmittel kontrolliert und sparsam über einen längeren Zeitraum freizusetzen.

In der zweiten Session „Bioraffinerien als Grundlage neuer landwirtschaftlicher Wertschöpfungskonzepte“ stellte Dr. Holger Klose (Forschungszentrum Jülich) verschiedene Konzepte für die Nutzung alternativer Biomasse vor, etwa die Düngung von Biomassepflanzen mit Gärresten aus Biogasanlagen, die Nutzung von Lignin aus aufgeschlossener pflanzlicher Biomasse als Ausgangssubstanz für hochwertige Chemikalien und Materialien sowie die Rückgewinnung von Phosphat und Nitrat aus Abwässern mit Hilfe von Algen. Dr. Jörn Viell (RWTH Aachen) stellte die Bioraffinerie NGP2 vor, die es ermöglicht, neue Verfahren aus der Forschung im Pilotmaßstab zu testen und weiter zu entwickeln und dadurch eine Lücke zwischen Forschung und Kommerzialisierung zu überbrücken. Andreas Dering (Landwirt und Geschäftsführer des Maschinenrings e.V.) berichtete über die zahlreichen Projekte der landwirtschaftlichen Vereinigung Maschinenring e.V., etwa das Errichten und Betreiben von Biogasanlagen in Baesweiler und Ameln oder die Entwicklung einer Tracking-Software für landwirtschaftliche Fahrzeuge.

In der dritten Session „Regionale Umsetzung und Wertschöpfungspotenziale“ informierte Prof. Dr. Ralf Pude (Universität Bonn) über die ökologischen Vorteile des Anbaus mehrjähriger Pflanzen wie z.B. Miscanthus oder Silphium in landwirtschaftlichen Saumbereichen. Er präsentierte eindrucksvolle Beispiele für die stoffliche Nutzung dieser Pflanzen, etwa die Herstellung von Leichtbeton oder von Torf-Ersatz. Prof. Dr. Stefanie Bröring (Universität Bonn) beschrieb die sich massiv ändernde Branchenlogik im Agrarbereich, insbesondere die fortschreitende Integration der Sektoren IT und Agrifood, und diskutierte die Optionen und Risiken, die sich für Start-Ups, kleine und mittelständische Unternehmen ergeben. Heiko Thomas vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW stellte die „Plattform für Lebensmittel- und Agrarwirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit im Rheinischen Revier (PLAIN-RR)“ vor, die Prozesse und Projekte für die (Weiter-)Entwicklung des Rheinischen Reviers initiieren und begleiten wird. PLAIN-RR bindet zahlreiche Akteure ein, von Verbänden wie dem Rheinischen Landwirtschaftsverband über Universitäten und Forschungseinrichtungen bis hin zu verschiedenen Landes- und Bundesministerien.

In den lebhaften Diskussionen am Ende der Sessions wurde mehrfach thematisiert, dass die Landwirtschaft bereits heute einen großen Beitrag zur Wertschöpfung im Rheinischen Revier leistet und dass eine Diskussion über die aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen und Ansprüche an die Landwirtschaft dringend nötig sei. Ökologie und Biodiversität wurden als zentrale Themen gesehen wie auch Digitalisierung und neue Wertschöpfungsmodelle. Die Teilnehmer, die aus so unterschiedlichen Bereichen wie Wissenschaft, (Land-)Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft kamen, nutzten die Veranstaltung intensiv, um sich zu vernetzen.