Bioeconomy Science Center
Forschung und Kooperation für nachhaltige BioÖkonomie

Bioeconomy Science Center
Forschung und Kooperation für nachhaltige BioÖkonomie

4. Internationales BioSC Symposium

Towards an Integrated Bioeconomy

18.-19. November 2019 | Maternushaus | Köln

Am 18. und 19. November 2019 fand in Köln das 4. Internationale BioSC Symposium mit rund 180 Teilnehmern statt. Die Beiträge der Referenten deckten ein breites Spektrum von der Forschung bis zur Produktentwicklung und Markteinführung ab und reflektierten sehr unterschiedliche Expertisen und Sichtweisen. Neben den Vorträgen waren 49 Poster, von denen drei ausgezeichnet wurden, Anknüpfungspunkte für intensive wissenschaftliche Diskussionen. Die Konferenz zeigte zum wiederholten Mal die Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes für die Bioökonomie und bereitete eine Plattform für den interdisziplinären Austausch und für zukünftige Kooperationen.

Fotos: Forschungszentrum Jülich

Download Agenda

Nach der Begrüßung durch den Sprecher des BioSC, Ulrich Schurr (IBG-2, Forschungszentrum Jülich) startete das Programm mit einem Keynote-Vortrag von Frans Hermans vom Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), Halle. Er analysierte der die Rolle von Clustern für die Entwicklung einer Bioökonomie und betonte, dass politische Strategien zur Entwicklung von Clustern am besten auf regionaler Ebene konzipiert und umgesetzt werden. Anschließend präsentierte Prof. Josef Glössl die Konzepte für die Bioökonomieforschung an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien, die sich seit langem auf die Verknüpfung von Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften stützt. In dem dritten Keynote-Vortrag stellte Thomas Müller-Kirschbaum die Nachhaltigkeitsstrategie der Firma Henkel vor, die die gesamte Wertschöpfungskette von den Rohstoffen über Herstellung, Verpackung und Nutzung bis zum Recycling umschließt.

Nach der ersten Poster-Session und der Mittagspause folgte die Vortrags-Session „User experience and user-centered design methods in the bioeconomy“. Rainer Harms (University of Twente) stellte dar, wie das frühzeitige Einbeziehen potenzieller Nutzer eine effiziente und erfolgreiche Entwicklung neuer Produkte unterstützen kann. Michael Wustmans (TIM, Universität Bonn) präsentierte neue Methoden zur Einbeziehung von Nutzern, die u.a. im Zusammenhang mit dem BioSC FocusLab greenRelease entwickelt wurden. Tiina Kymäläinen (VTT Technical Research Centre of Finland, Tampere) stellte das Konzept des „Science Fiction Prototyping“ vor, das auf der Idee beruht, durch das Kreieren von Science Fiction-Geschichten die Möglichkeiten und Auswirkungen zukünftiger Technologien zu beschreiben. Im Anschluss bot ein knapp einstündiges World Café den Teilnehmern die Möglichkeit, die Themen der Vorträge intensiv mit den Referenten und anderen Teilnehmern zu diskutieren.

Nach der zweiten Poster-Session startete die abendliche Vortrags-Session „Innovative concepts for green value chains“. Moritz Wagner (FG Nachwachsende Rohstoffe, Universität Hohenheim) stellte dar, dass nachwachsende Rohstoffe nur unter bestimmten Bedingungen nachhaltig sind, etwa bei der Nutzung mehrjähriger Biomassepflanzen im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft. Karel De Winter (BioBase Europe Pilot Plant, Gent) zeigte anhand eindrucksvoller Beispiele, wie eine Bioraffinerie, die als Service-Einrichtung konzipiert ist, Produktentwicklungen für kleinere und mittlere Firmen ermöglichen kann. Stefaan De Wildeman stellte das Start-Up b4plastics (Maasmechelen) vor, das neue bioabbaubare Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe entwickelt und herstellt. Zum Abschluss wurden Ergebnisse aus den BioSC FocusLabs Bio2 und CombiCom präsentiert. Nina Ihling (BioVT, RWTH Aachen) und Anita Loeschcke (IMET, HHU Düsseldorf) zeigten den erfolgreichen Einsatz von Pseudomonas putida sowohl zur Produktion von Biotensiden aus landwirtschaftlichen Restströmen als auch zur Produktion hochwertiger Naturstoffe und chemischer Derivate.

Zum Abschluss des ersten Tages wurden drei Posterpreise verliehen. Die Gewinner sind Alina Herrmann (Bioanorganische Chemie, RWTH Aachen) mit „Renewables to high-performance bioplastics by sustainable production ways“, Liudmyla Goncharenko (Biotechnologie, RWTH Aachen) mit „greenRelease: Technology advancement“ und Samer Habash (Molekulare Phytomedizin, Universität Bonn) mit „The plant secondary metabolite nootkatone inhibits plant parasitism of cyst nematode“.

Der zweite Tag des Symposiums begann mit einem Keynote-Vortrag von Thomas Gries (ITA, RWTH Aachen) der die besonderen Herausforderungen und Möglichkeiten für die Textilproduktion bei der Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe aufzeigte. In der folgenden Session „BioSC meets friends“ wurden die drei Cluster in Nordrhein-Westfalen vorgestellt, die im Rahmen der Exzellenzinitiative der Bundesregierung gefördert werden. Cyril Stachniss (Universität Bonn) stellte das Cluster PhenoRob vor, das zum Ziel hat, digitale Methoden für einen effizienten Anbau von Nutzpflanzen zu entwickeln. Andreas Weber (HHU Düsseldorf) präsentierte das Cluster CEPLAS, bei dem die Züchtung von Nutzpflanzen im Hinblick auf aktuelle und zukünftige globale Herausforderungen im Mittelpunkt steht. Bastian Lehrheuer (RWTH Aachen) stellte das Cluster „The Fuel Science Center“ vor, in dem neue Treibstoffe auf der Basis von Biomasse, CO2 und Wasserstoff entwickelt werden. In allen drei Vorträgen wurden mögliche Anknüpfungspunkte für Kooperationen mit dem BioSC deutlich.

In der abschließenden Session ging es um das Thema „(Regional) Implementation of the Bioeconomy“. Michael Schweizer (Ilsfeld) stellte die Firma TECNARO vor, die Kunststoffe auf der Basis von Biopolymeren und Naturfasern entwickelt und produziert. Johannes Rupp (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Berlin) präsentierte ein Konzept für die Etablierung der Bioökonomie in ländlichen Räumen, mit einer lokalen und dezentralen Wertschöpfung, die über den reinen Anbau von Biomasse hinaus geht. Christian Klar (IBG-2, Forschungszentrum Jülich) präsentierte das Projekt „BioökonomieREVIER“, das im Rahmen des Kohleausstiegs auf die Entwicklung des Rheinischen Braunkohlereviers zu einer Modellregion für Bioökonomie abzielt, unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft und anderer Stakeholder. Abschließend sprach Sandra Venghaus (IEK-STE, Forschungszentrum Jülich) über Transformationsprozesse und Stakeholder-Diskurse am Beispiel des Strukturwandels im Rheinischen Revier und stellte erste Ergebnisse aus dem BioSC-Projekt Transform2Bio vor.

Das nächste Internationale BioSC Symposium wird am 16. und 17.11.2020 in Berlin stattfinden, im Vorfeld des 3. Global Bioeconomy Summit. Nähere Informationen werden rechtzeitig auf der BioSC-Homepage bekanntgegeben.