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Newsletter | Oktober 2020 | Download PDF

 

BioSC International Online Summer School „From plants to pilot plant“

Die BioSC International Summer School fand vom 24.-28. August 2020 als virtuelles Format mit Teilnehmern aus ganz Europa statt. Wissenschaftler von der RWTH Aachen, vom Forschungszentrum Jülich und vom Campus Kleinaltendorf (Universität Bonn) sowie Dozenten aus Wirtschaft und Industrie referierten zu der Verwertung lignocellulosehaltiger Biomasse - von der nachhaltigen pflanzlichen Biomasseproduktion über die Prozessierung in der Bioraffinerie bis zur Bewertung von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Workshops mit Fallbeispielen rundeten das Programm ab. Am Anfang stand eine Einführung in die Bioökonomie durch Dr. Christian Patermann.

„Bioökonomie und Circular Economy sind Partner für die Nachhaltigkeit“, so Dr. Dr. h.c. Christian Patermann, ehemaliger Direktor der EU-Kommission, der bei der Etablierung der Bioökonomie in Europa eine maßgebliche Rolle spielte. Er skizzierte im Eröffnungsvortrag die Entwicklung der vergangenen 15 Jahre mit der Implementierung von inzwischen über 60 nationalen Bioökonomiestrategien weltweit, der verstärkten Fokussierung auf Nachhaltigkeit und Kreislaufnutzung in den letzten Jahren und dem aktuellen Trend der Entwicklung regionaler Bioökonomien.

Damit war ein umfassender Rahmen gesetzt für das Thema der Summer School, die Verwertung lignocellulosehaltiger Biomasse. Den Anfang machte Holger Klose (Forschungszentrum Jülich) mit einem Vortrag zu neuen Technologien der Pflanzen-Phänotypisierung und ihrer Anwendung für eine nachhaltige Produktion von Biomassepflanzen. Onno Muller (Forschungszentrum Jülich) ging detailliert auf das Zusammenspiel von Pflanzenmerkmalen, Umweltfaktoren, Experimenten und Sensoren bei der Phänotypisierung ein. Silvia Schrey (Forschungszentrum Jülich) beschloss den Tag mit einer Einführung in den Anbau von Sida hermaphrodita auf marginalen Böden.

An zweiten Tag der Summer School ging es um den ersten Schritt der Prozessierung pflanzlicher Biomasse: die Fraktionierung in ihre Hauptbestandteile Lignin, Cellulose und Hemicellulose. Holger Klose erläuterte, warum dieser Schritt eine Herausforderung ist: pflanzliche Zellwände haben sich in der Evolution so entwickelt, dass sie maximal widerstandsfähig gegenüber dem Abbau z.B. durch Schädlinge oder Witterung sind. Philipp Grande (Forschungszentrum Jülich) stellte verschiedene Strategien für die Fraktionierung vor. Martin Leipnitz (RWTH Aachen) erläuterte die Prozessentwicklung für eine Bioraffinerie. Darum ging es auch in dem folgenden Workshop „Downstream processing“, in dem die Teilnehmer die Gelegenheit hatten, in Kleingruppen Prozessabläufe zu konzipieren.

Am dritten Tag standen die fermentative Gewinnung hochwertiger Chemikalien aus pflanzlichen Zuckern und ihre anschließende Aufreinigung im Mittelpunkt. Michael Zavrel (Firma Clariant) stellte Möglichkeiten zur Verwertung landwirtschaftlicher Restströme vor. Michael Kopf (Firma BASF) sprach über die Herausforderungen bei der Aufreinigung biobasierter Produkte. Anschließend gab Dr Jörn Viell (RWTH Aachen) eine virtuelle Tour durch die Pilot-Bioraffinerie der Aachener Verfahrenstechnik. Bei dem Workshop „Upstream Processing“ am Nachmittag konnten die Teilnehmer wieder in Kleingruppen das Gehörte an Beispielen umsetzen.

Tag vier verlagerte den Fokus von der Entwicklung von Technologien zu der Bewertung ihrer Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. Am Vormittag stellten Christina Wulf und Andreas Schonhoff (Forschungszentrum Jülich) Methoden zur Nachhaltigkeitsbewertung vor. In der Nachmittags-Session präsentierte Sandra Venghaus (Forschungszentrum Jülich) Konzepte für die Transformation des Rheinischen Reviers in eine exemplarische Bioökonomie. Michaels Carus (nova-Institut) und Meike Henseleit (Forschungszentrum Jülich) referierten zu den Perspektiven der Bioökonomie in Deutschland. In dem anschließenden Business Model Workshop konnte wieder in Kleingruppen das Erlernte an konkreten Fällen veranschaulicht werden. Am Abend des vierten Tages fand dann noch ein gemeinsames virtuelles Dinner statt, bei dem alle Beteiligten städte- oder landestypische Gerichte oder Getränke vorbereitet hatten und diese den anderen vorstellten. So konnten auch persönlichere Kontakte hergestellt und vertieft werden.

Am letzten Tag der Summer School wurden drei Großprojekte des BioSC vorgestellt: die FocusLabs AP3, Bio2 und Transform2Bio. Diese dienten als Fallstudien, um anschaulich zu machen, wie wichtig ein interdisziplinärer Ansatz bereits auf der Ebene der Forschung ist. Beim abschließenden Wrap-Up äußerten alle Teilnehmer, dass ihnen die ganzheitliche Perspektive, die in dieser Summer School vermittelt wurde, neue Einsichten und ein besseres Verständnis für die Bioökonomie vermittelt hat.

 

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Ausgabe 01/2020

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