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Für eine nachhaltige Bioökonomie

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Newsletter | Dezember 2021 | Download PDF

 

Foto: UFZ

25. BioSC Lecture von Prof. Daniela Thrän

Die 25. BioSC Lecture fand im Rahmen des Jülich Biotec Day 2021 statt. Prof. Dr. Daniela Thrän, Co-Vorsitzende des Bioökonomierats der Bundesregierung, beleuchtete die Möglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Etablierung einer nachhaltigen Bioökonomie.

 

In ihrem Vortrag „How to develop a sustainable bioeconomy“ erinnerte Prof. Thrän zunächst an das Konzept der planetaren Grenzen. Die Menschheit hat schon immer biologische Prozesse wie Photosynthese, Wachstum, Umbau und Abbau von Biomasse genutzt und diese Prozesse auch weiterentwickelt - zunächst in der Züchtung, später etwa in der Biotechnologie und Verfahrenstechnik. Die natürlichen Grundlagen dafür sind jedoch begrenzt, allen voran die Flächen. Der größte Teil des für die Biomasseproduktion verfügbaren Lands wird heute bereits genutzt, so dass es bei der Etablierung einer Bioökonomie nicht um eine Ausweitung, sondern um eine Verbesserung der Biomassenutzung, etwa um eine höhere Effizienz, gehen muss. So beträgt der Energiegehalt der heute jährlich produzierten Biomasse geschätzt 200 ExaJoule, von denen jedoch rund 75% während der Prozessierung verloren gehen. Prof. Thrän nannte drei zentrale Ansatzpunkte: 1. Stabilisierung der Nachfrage nach Biomasse, 2. nachhaltige Produktion und 3. nachhaltige Nutzung.

Bezüglich der Stabilisierung der Nachfrage nach Biomasse wies Prof. Thrän darauf hin, dass es nicht möglich sein wird, fossile Ressourcen vollständig durch Biomasse zu ersetzen. Gerade für die Bereiche Mobilität, Strom- und Wärmeversorgung sei es unabdingbar, die Nutzung anderer erneuerbarer Ressourcen wie Wind- und Sonnenergie auszubauen. Als weitere wichtige Elemente für eine Stabilisierung der Nachfrage nannte sie die Nutzung von Restströmen aus der Land- und Forstwirtschaft und der Lebensmittelherstellung sowie eine Reduktion des Fleischkonsums.

Um die nachhaltige Produktion von Biomasse zu gewährleisten, kommt laut Prof. Thrän der Zertifizierung eine entscheidende Rolle zu – von der Kultivierung über den Transport, die Prozessierung und die Verarbeitung zu Produkten. Eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre werde darin bestehen, angesichts der Vielzahl der existierenden Zertifizierungen die Anforderungen und Kriterien zumindest in Grundzügen zu vereinheitlichen, wie es seit 2009 für den europäischen Biokraftstoffmarkt erreicht wurde.

Für eine nachhaltige Nutzung von Biomasse werde das Prinzip einer zirkulären Wertschöpfung mit Kaskadennutzung, Recycling und Upcycling von entscheidender Bedeutung sein. Die Bioökonomie etwa in Deutschland sei immer noch sehr linear und das Potenzial von Restströmen werde bei weitem nicht ausgenutzt. Eine große Herausforderung liege in der Vielzahl der Gesetze und Verordnungen, die es zu berücksichtigen gilt.

Als Schlüsselelemente für die Etablierung einer nachhaltigen Bioökonomie nannte Prof. Thrän unter anderem Forschung und Entwicklung, Best-Practice-Beispiele, Anreize und Finanzierung. Sie hob besonders die Bedeutung regionaler Implementierungsstrategien hervor, die regionale Besonderheiten aufgreifen und Akteure vor Ort vernetzen, und nannte als ein Beispiel das Rheinische Revier, wo der Wandel von einer Kohleregion zu einer Modellregion für nachhaltiges Wirtschaften angestrebt wird.

 

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